Heinrich Schwerdt

Heinrich Schwerdt wurde am 7. Januar 1810 in Neukirchen geboren. Sein Vater war Pfarrer in der Gemeinde, die zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gehörte.

Heinrich Schwerdt (Quelle)

Theologiestudium in Jena und Leipzig

Nachdem Schwerdt die ansässige Volksschule besucht hatte, wechselte er an die Gymnasien in Gotha und Eisenach. Ab 1828 studierte Schwerdt Theologie, zunächst an der Universität Jena, dann in Leipzig. Seine Ausbildung als Pfarrer schloss er 1833 mit dem Zweiten Theologischen Examen in Gotha ab. Danach kehrte Schwert in seine Heimatregion zurück und arbeitete als Pfarrer in Stregda und Hötzelsroda. Kaum im Amt, hatte Schwerdt privat einen schweren Schicksschlag zu verkraften. Seine Frau Marie Henriette, mit der er zwei Kinder hatte, starb 1835 im Alter von 26 Jahren. Ein Jahr später heiratete der Pfarrer erneut. Aus der Ehe mit Marie Caroline gingen acht Kinder hervor.

Schwerdt als Pfarrer und Volksbildner in Neukirchen

Nach dem Tod seines Vaters 1842 übernahm Schwerdt das Pfarramt in Neukirchen und setzte von Anfang an besondere Akzente. So fühlte er sich nicht nur dem Seelenheil der Gläubigen verpflichtet, sondern verschrieb sich auch der Bildung der Einwohnerschaft. Damit war Schwerdt nicht allein, “Volksbildung” war damals ein zentrales Thema. Dahinter steckte die Überzeugung, dass eine grundständige Bildung für das gesellschaftliche und individuelle Wohlergehen wichtig ist. Um die Neukirchnerinnen und Neukirchner zu bilden, ergriff Schwerdt zahlreiche Maßnahmen. Neben einer Sonntagsschule für Jungen und einer hauswirtschaftlichen Übungsschule für Mädchen rief Schwerdt 1838 eine Volksbibliothek ins Leben, wahrscheinlich die erste in Thüringen.

Bis dahin waren Bibliotheken nur einer Elite vorbehalten. Sie fanden sich an Fürstenhöfen, Universitäten und in Klöstern. Dementsprechend nutzte lediglich eine kleine Gruppe die dort aufbewahrten Büchern. Die Volksbibliothek richtete sich an die “einfache” Bevölkerung, hier sollten sich Frauen und Männer mit Hilfe von Büchern zu allen möglichen Themen bilden. Die erste Volksbibliothek in Deutschland wurde 1828 im sächsischen Großenhain von Karl Benjamin Preusker gegründet.

Zugleich wirkte Schwerdt über seine Heimatgemeinde hinaus. Im Jahr 1847 leitete er das “Thüringer Sängerfest” auf der Wartburg in Eisenach, an dem der bekannte Leipziger Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy teilnahm. Anlässlich des Festes vertonte er das von Schwerdt verfasste Gedicht “Morgengruß des Thüringer Sängerbundes”.

4 Lieder, Op. 120: No. 2, Morgengruss des Thüringer Sängerbundes, MWV G 37

Ebenso engagierte sich Schwerdt politisch. Gleich zweimal, von 1848 bis 1850 und von 1865 bis 1869, war er Abgeordneter im Landtag des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Dort setzte sich der Pfarrer sich insbesondere für sein Herzensthema ein – die Bildung breiter Bevölkerungsschichten.

Abschied von Neukirchen

1860 verließ Schwerdt seine Heimatgemeinde Neukirchen und wurde Pfarrer in Tonna, nördlich von Gotha. Zwölf Jahre später, 1872, krönte er seine theologische Laufbahn und stieg zum Superintendenten in Waltershausen auf.

Schwerdt war ein wahrer Tausendsassa. Als ob seine Tätigkeit als Pfarrer und Engagement als Volksbildner nicht ausreichend gewesen wäre, arbeitete er auch als Publizist. Schwerdt schrieb sowohl für allgemeine Blätter (u. a. Dresdner Abendzeitung, Allgemeine Schulzeitung) als auch für pädagogische Zeitschriften. Darüber hinaus wirkte Schwerdt als Herausgeber zahlreicher Bücher.

Schwerdts vielfältiges Engagement, gerade für die Bildung der “einfachen” Bevölkerung, würdigten bereits seine Zeitgenossen. Anlässlich seines 50 jährigen Dienstjubiläums als Pfarrer wurde er von Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, zum Kirchenrat ernannt und erhielt die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Jena. Schwerdt war zudem Ehrenmitglied des Allgemeinen Deutschen Schriftstellerverbandes und der Gesellschaft für Verbreitung der Volksbildung Berlin.

Dass Schwerdts Wirken als außergewöhnlich galt, belegt eine weitere Ehrung. 1871, also noch zu dessen Lebzeiten, benannte der international renommierte Gothaer Kartograph August Petermann, tätig im Perthes-Verlag in Gotha, einen Gletscher auf der Insel Edgeøya im Nordatlantik nach ihm.

Heinrich Schwerdt starb am 2. September 1888 in Waltershausen.